Rückenschmerzen - Ursachen und Behandlung

Rückenschmerzen sind die häufigste Form akuter und chronischer Schmerzen am Bewegungsapparat. Sie gehören zu den am weitesten verbreiteten Erkrankungen in der Welt. Fast jeder Mensch leidet im Laufe seines Lebens mindestens einmal an Rückenschmerzen.

Meistens ist der Rückenschmerz unspezifisch, das heißt, es lässt sich keine unmittelbare oder gefährdende Ursache für die Schmerzen finden. Zumeist ist er harmlos und verschwindet von allein wieder. Es kann jedoch im weiteren Verlauf zu neuen Episoden kommen.

Auch rheumatische Erkrankungen wie Arthrosen, Osteoporose oder eine entzündliche rheumatische Erkrankung können den Rücken in Mitleidenschaft ziehen und spezifische Rückenschmerzen verursachen. In der Regel führt das zu deutlichen Wirbelsäulenveränderungen.

Bleiben Rückenschmerzen über einen Zeitraum von mehr als zwölf Wochen bestehen, bezeichnet man sie als chronisch.

Ursachen - wie kommt es zu Rückenschmerzen?

Die Wirbelsäule ist eigentlich zum Laufen auf vier Beinen vorgesehen. Für den aufrechten Gang und die aufrechte Haltung ist sie nicht optimal angepasst. Daher kann es durch hohe, langanhaltende und immer wiederkehrende Belastungen zu Beschwerden kommen. In rund 85 bis 90 Prozent aller Fälle handelt es sich um unspezifische Rückenschmerzen, bei denen kein eindeutiger struktureller Schaden an der Wirbelsäule vorliegt. Sie entstehen durch Muskelverspannungen. Diese können folgende Ursachen haben:

• zu wenig Bewegung (eine schwache Rumpfmuskulatur durch Muskelverlust stabilisiert die Wirbelsäule unzureichend)
• zu viel Bewegung (Überlastung)
• falsche Bewegung (Fehlbelastung durch zu langes Sitzen oder einseitige Belastungen)
• Fehlhaltungen
• seelische Belastungen: Stress, Ängste und Konflikte können zu Muskelverspannungen führen, die auf Dauer die Muskeln verkrampfen lassen und zu Fehl- und Zwangshaltungen führen können

Typische Beispiele für unspezifische Rückenschmerzen sind:

• Hexenschuss ➔ Beim Hexenschuss (Lumbago) tritt meist nach einer alltäglichen Bewegung wie Heben, Drehen oder Bücken ein heftiger Schmerz im Bereich der Lendenwirbelsäule auf. Die Rückenmuskulatur verhärtet sich und macht jede Bewegung zur Qual.

• Ischialgie ➔ Brennende oder stechende Schmerzen in Gesäß oder Kreuz, die bis ins Bein strahlen, können auf eine Nervenreizung (Ischialgie) hindeuten. Auch diese akuten Schmerzen verschwinden in der Regel spätestens nach einigen Tagen bis Wochen wieder, können jedoch in Einzelfällen chronisch werden.

Demgegenüber stehen spezifische Rückenschmerzen mit einer klaren medizinischen Ursache:

• Bandscheibenvorfall: Druck auf die Nervenbahnen der Wirbelsäule.
➔ Diese Bandscheiben sind Pufferkissen, die zwischen den Wirbelkörpern liegen. Sie bestehen aus einem äußeren Faserring und einem elastischen Gallertkern. Ab dem 20. Lebensjahr beginnen die Bandscheiben zu verschleißen, verlieren Wasser und dadurch an Elastizität. Dringt der elastische Kern durch Risse nach draußen, entsteht ein Bandscheibenvorfall. Das Bandscheibengewebe kann dann anliegende Nerven bedrängen und dadurch zu Schmerzen führen.

• Verschleiß:
➔ Arthrose der Wirbelgelenke (Spondylose): Dies ist ein chronisch fortschreitender Verschleiß bestimmter Gelenke, bedingt durch eine Instabilität des Bewegungssegmentes. Rückenschmerzen durch Arthrose an der Wirbelsäule treten oft nur vorübergehend auf. Die Betroffenen versuchen allerdings häufig Schonhaltungen einzunehmen, um dem Schmerz auszuweichen. In der Folge kommt es zu Fehlhaltungen, Fehlbewegungen und Muskelverspannungen. Das verstärkt den Schmerzkreislauf.
➔ Verengungen des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose): Über einen langen Zeitraum können durch verschleißbedingte Veränderungen Knochenauswüchse an den Wirbeln entstehen, die zu einer Einengung des Wirbelkanals oder der Nervenaustrittsöffnungen führen, die wiederum durch Druck auf die Nerven Schmerzen auslösen können.

• Wirbelkörperbrüche:
➔ Oft infolge von Osteoporose im höheren Alter. Die Folge sind meist akute heftige Schmerzen. Durch die Wirbelbrüche verformt sich die Wirbelsäule. So können Fehlhaltungen entstehen, die wiederum zu Fehlbelastungen führen. Das kann dauerhafte schmerzhafte Verspannungen der Muskulatur mit sich bringen.
➔ Hinzukommt, dass die Krankheit mit dem Gefühl verbunden ist, zerbrechlich zu sein. Aus Angst vor weiteren Brüchen bewegen die Betroffen sich weniger. Das führt dazu, dass noch mehr Knochensubstanz verloren geht.

•Organische Erkrankungen: Seltene Auslöser wie Nierensteine oder eine Lungenentzündung.

Grundsätzlich gilt: Halten die Rückenschmerzen länger als drei Tage an, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Auch bei folgenden Symptomen ist es ratsam sofort einen Arzt hinzuzuziehen:
• Der Schmerz strahlt in Arme und Beine aus.
• Man spürt Taubheitsgefühle in Armen und Beinen.
• Man kann mit einem Mal nicht mehr auf den Zehenspitzen stehen.
• Man spürt eine Entleerungsstörung des Darms oder der Blase.
• Die Schmerzen treten nach einem Sturz auf.
• Neben den Rückenschmerzen bestehen Fieber und Schüttelfrost.
• Die Beschwerden dauern länger als drei Tage an.

Therapie – was hilft gegen Rückenschmerzen?

Nicht-medikamentöse Behandlung

Wer seine Muskeln schont, hat langfristig eher mehr Schmerzen. Vor allem bei akuten Schmerzen zeigt Bewegung in der Regel schnell Wirkung. Bettruhe oder übertriebene Schonung ist genauso falsch wie Überlastung.

• Krankengymnastik / Funktionstraining
➔ Viele Menschen lassen sich von Rückenschmerzen in eine Schonhaltung zwingen. Das vermindert die Schmerzen, aber die unnatürlichen Belastungen führen zu weiteren Verspannungen. In diesem Fall hilft eine Physiotherapie weiter. Anfangs begleitet man diese Therapie oft mit Medikamenten, um den Patienten die Angst vor dem Schmerz bei der Bewegung zu nehmen.
➔ Bei der Krankengymnastik versucht der Therapeut überwiegend durch aktive Übungen, die der Patient selbst durchführt, diesen zu mobilisieren, die Muskelkraft zu erhöhen, bessere Beweglichkeit herzustellen, um so auch Schmerzlinderung zu erreichen. Das Ziel ist, ein Muskeln aufzubauen, die die Wirbelsäule stützen.

• Manuelle Therapie
➔ Bei der manuellen Therapie überwiegen die passiven Elemente. Das heißt, der Manualtherapeut versucht Störungen im Bewegungsapparat, in den Muskeln und Gelenken zu ertasten und durch manuelle Einwirkungen zu lösen.

• Osteopathie ➔ Eine alternative Behandlungsform ist die Osteopathie, die bei einem gesunden Menschen von einer Balance von Körper, Seele und Geist ausgeht. Stehen diese Elemente nicht im Einklang, so bilden sich Blockaden, die zu körperlichen Schmerzen führen. Die Aufgabe des Osteopathen besteht darin, Blockaden abzubauen und das Gleichgewicht aller Körpersysteme wiederherzustellen. Dazu verwendet der Osteopath verschiedene Massage-, Dehn- und Grifftechniken, die gleichzeitig die Selbstheilungskräfte des Körpers anregen sollen.

• Akupunktur ➔ In der Schmerztherapie kommt immer öfter auch Akupunktur zum Einsatz. Speziell bei Rückenschmerzen zeigen sich dabei Erfolge. Die Patienten sollten darauf achten, dass ein erfahrener Akupunkteur die Behandlung durchführt.

• Wärmebehandlung ➔ Bei akuten Beschwerden kann Wärme helfen, die Muskeln zu entspannen, die Durchblutung zu fördern und so den Stoffwechsel anzuregen. Auch bei Schmerzen, die durch Verschleiß zustande kommen, etwa bei Arthrose, kann das sehr wohltuend wirken.

• Kältebehandlung ➔ Wärme ist nicht immer das richtige Mittel. Bei einer Ischias-Reizung oder anderen entzündlichen Erkrankungen kann Wärme die Schmerzen noch verschlimmern. In diesen Fällen ist es ratsam, die betroffenen Stellen zu kühlen, etwa mit gelgefüllten Coolpacks. Die Kälte verlangsamt die Übertragung der Schmerzsignale.

Medikamentöse Behandlung
Das Ziel der medikamentösen Schmerzbehandlung ist, den Teufelskreis aus Schmerz und Bewegungslosigkeit zu durchbrechen.

• NSAR
➔ Bei der Behandlung starker Rückenschmerzen haben sich sogenannte Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) bewährt. Wirkstoffe wie Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen lindern Schmerzen, hemmen Entzündungen und gelten als Therapie der Wahl.
➔ Für Patienten mit ausgeprägten Herz- oder Nierenproblemen sind sie jedoch nur eingeschränkt geeignet. Bei Kontraindikationen können Metamizol oder Opioide kurzzeitig eingesetzt werden.

• ergänzende Medikamente ➔ Da häufig Muskelverspannungen die Rückenschmerzen auslösen, werden auch muskelentspannende Medikamente wie Methocarbamol verordnet.

Operation

• Eine Operation kann sinnvoll sein, wenn die ins Bein ausstrahlenden Schmerzen nicht nachlassen oder der Gefühlsausfall beziehungsweise die Muskelschwäche über einen längeren Zeitraum andauern.

• Die häufigsten Rückenoperationen sind Eingriffe an der Bandscheibe und bei Verengungen von Wirbelkanälen (Spinalkanalstenosen). In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die operative Technik deutlich verändert und verbessert, minimal-invasive mikrochirurgische Eingriffe stehen im Vordergrund. Dennoch sind Operationen nicht immer die richtige Wahl. Neben dem unmittelbaren Operationsrisiko sollten auch die möglichen mittel- und langfristigen Probleme berücksichtigt werden.

• Bei einer Bandscheibenoperation entfernt der Arzt das vorgefallene Bandscheibenmaterial und entlastet so die Nervenwurzel. Es kann nach einigen Wochen allerdings zur Bildung von Narbengewebe kommen, das die Nerven erneut einengt.

• Bei der Spinalkanalstenosen wird ein Teil des einengenden Knochens entfernt und somit das Nervengewebe entlastet.

• Entscheidend nach der Operation sind der Muskelaufbau und die Wiedererlangung eines guten Körpergefühls incl. Balance, Gangschulung, Bücken, Drehen und Heben. Dafür bieten sich zunächst ambulante oder stationäre Rehabilitationsmaßnahmen an, im weiteren Verlauf ambulante Physiotherapie oder Rückenschulen mit guten Aussichten auf ein schmerzfreies oder zumindest deutlich schmerzgelindertes Leben.

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